Let’s Talk Picture Books Exchange – Mein erster, internationaler Kinderbuchtausch

Ich mag schöne Kinder-und Bilderbücher nicht nur, weil ich selbst illustriere und in ihnen eine große Inspirationsquelle finde. Bei einem guten Buch kann ich mich sofort in der jeweiligen Welt verlieren und vollkommen in die Geschichte eintauchen. Ganz egal, ob es sich dabei um einen 1000-Seiten-Schinken oder ein kleines Bilderbuch handelt.

Aus diesem Grund stehe ich manchmal auch neben quirligen Kindern in der Buchhandlung und schmökere in der Kinderbuchabteilung – dort gibt es einfach immer so viele, tolle Bücher zu entdecken!

Umso mehr war ich darüber begeistert, dass über Instagram regelmäßig ein internationaler Kinderbuchtausch stattfindet, der von Let´s Talk Picture Books organisiert wird! Dass ich da bei der nächsten Gelegenheit mitgemacht habe, ist ja vermutlich keine Überraschung. 😉

Was ist der “Let’s Talk Picture Books Exchange”?

Bei diesem Buchtausch geht es wie oben beschrieben darum, dass man Teil einer globalen Community wird, die Bilderbücher liebt. Da man natürlich immer nur den Blick auf die eigene Verlagslandschaft hat, entstand die Idee, einfach global mit anderen Bilderbuchliebhabern jeweils ein Buch zu tauschen. So bekommt mancher einen wahren Schatz zugesendet, der im eigenen Land vielleicht erst viel später oder nie publiziert wird.

Einmal im Vierteljahr gibt es auf Instagram dafür einen temporären Post, über den man sich mit einem Kommentar für den Tausch anmelden kann. Sobald der einwöchige Anmeldezeitraum vorbei ist, wird dieser Post übrigens wieder gelöscht, also sollte man den Account gut im Blick behalten. Die nächste Anmeldung startet am 23. Mai 2018, also schaut dort unbedingt vorbei!

Wenn man sich also nun angemeldet hat, bekommt man von der Organisatorin einen zufälligen Tauschpartner zugelost. Mit diesem kann man sich dann austauschen, was man jeweils so für thematische Interessen hat – das beugt vor, dass man ein Bilderbuch erhält, das einen nicht zusagt. Anschließend hat man eine Woche Zeit, um das Buch für den Tauschpartner auf den Weg zu bringen.

Die einzigen Regeln bei diesem Tausch sind, dass der Gesamtwert des Buches/der Bücher jeweils 15 US-Dollar nicht überschreiten darf und dass man für den Tauschpartner ein Buch wählen soll, dass innerhalb der letzten 2 Jahre publiziert wurde. So kann sichergestellt werden, dass niemand übervorteilt wird oder ein Buch erhält, dass möglicherweise schon längst im eigenen Land erhältlich ist.

Mein erster Bilderbuchtausch mit Indien

Ich habe als erste Tauschpartnerin die Inderin Nithya zugelost bekommen. Sehr spannend, da ich vom indischen Buchmarkt natürlich nicht den blassesten Schimmer habe. Ich habe mich sehr gefreut, gleich beim ersten Tausch so ein exotisches Land als Tauschpartner zu haben. So ein Bücher-Ü-Ei aus fernen Landen ist schon was ganz besonderes! 😉

Ich schrieb Nithya, dass ich mich für fantasievolle Bilderbücher am meisten begeistern kann, in denen es zum Beispiel um Märchen und Mythen geht, oder um Tiere als Protagonisten. Bald darauf erfuhr ich, dass sie das Buch für mich noch am selben Tag losgeschickt hat. Ganz schön fix, die Lady! 😀

Schon 3 Tage später konnte ich mein Buch in Empfang nehmen, da es über eine Verlagsauslieferung zugestellt wurde:

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© Tara Books / Samhita Arni

Das “Mahabharatha” – eines der ältesten, indischen Epen, die überliefert wurden. Eine eigentlich sehr anspruchsvolle Lektüre, die hier aber in sehr handlichen Kapiteln umgesetzt wurde. Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Autorin und Illustratorin gerade mal 12 Jahre alt war, als sie dieses Buch geschrieben hat. Eine beachtliche Leistung, wie ich finde – zumal dieser Epos so ziemlich der blutigste unter allen sein soll, wie ich gehört habe. Immerhin geht es in diesem Heldenepos um einen langen, erbitterten Krieg zweier Königsfamilien, den Kauravas und den Pandavas. Aber wie die Autorin im Vorwort schreibt, hat sie das Mahabharatha genau deshalb am meisten gereizt. Nun ja, warum auch nicht! 😉

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© Tara Books / Samhita Arni

Ich wollte mich schon immer mal tiefer in die indische Mythologie einlesen, aber all die Namen und Verbindungen der Figuren sind für einen Laien ziemlich verwirrend. Umso toller, dass hier auf den Schmutzseiten innen die jeweiligen Stammbäume der Familienclans aufgeschlüsselt werden.

Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, das gesamte Buch zu lesen, aber die ersten Kapitel waren bereits sehr interessant. Und es ist wirklich erfrischend, einen Epos, der 400 v. Chr. entstanden ist, von einem jungen Mädchen nacherzählt zu bekommen.

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© Tara Books / Samhita Arni

Ich hatte bei meinem ersten Tausch also gleich eine wirklich geniale Ausbeute und habe sicher nicht zum letzten Mal teilgenommen. 🙂

Für mich selbst war es zunächst etwas schwierig, eine schöne Auswahl für Nithya zu finden. Witzigerweise mag sie genau die Themen, die ich nicht ganz so gern lese und bevorzugt Bilderbücher mit realistischen Themen. Das liegt sicher auch darin begründet, dass sie Direktorin einer Montessori-Schule ist und als solche natürlicherweise immer nach Büchern Ausschau hält, die zu den Lehren von Maria Montessori passen.

Damit konnte ich alle Buchempfehlungen, aus denen ich ursprünglich wählen wollte, erst einmal beiseite legen. Denn sprechende oder vermenschlichte Tiere sind mit der Montessori-Lehre absolut nicht vereinbar und meine Lieblingsbücher haben immer irgendwelche lustigen Tiere als Protagonisten. Ein bisschen schade war das schon, aber es gibt in Deutschland ja zum Glück eine wirklich große Auswahl an schönen Büchern.

Das war übrigens eine weitere Regel, die ich mit Nithya freiwillig hinzugefügt habe: wir beide wollten vom jeweils anderen gern ein Buch bekommen, dass vom Autor/Illustrator bis hin zum Verlag vollständig im Land des anderen entstanden ist.

So habe ich ihr am Ende dann ein großes Wimmelbuch und 5 verschiedene Pixis gesendet, da ich beide Buchformate als etwas typisch deutsches empfinde. Alle Bücher zeigen normale Alltagsszenerien oder erklären bestimmte Berufsgruppen sehr anschaulich – zwar habe ich zeitlich nicht alle deutschen Texte dazu übersetzen können, aber besonders die Wimmelbücher erklären sich ja schön von selbst.

In jedem Fall war das eine schöne Erfahrung und ich kann andere Bilderbuchliebhaber nur dazu ermuntern, beim nächsten Mal auch mitzumachen. Solche Aktionen zeigen sehr schön, dass Social Media eben nicht nur rein virtuell Menschen verbinden kann. 🙂

 

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